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Die Wechselkröte, die fast ausgestorben war

Kröten sind Tiere, die Gefühle in uns hervorrufen, und das kann mehrere Gründe haben. Ihr Aussehen, ihre Lebensräume, ihre Giftigkeit und ihre Rolle in vielen Märchen und Erzählungen zu den Themen Hexerei und Magie können dazu führen, dass man einen gewissen Abstand nimmt. Ihre spannende Lebensweise, ihre hübschen Farben, die Kommunikation und die Tatsache, dass sie schon länger als Reptilien, Vögel und Säugetiere die Erde bevölkern, fasziniert un.
Text und Fotos von Bjarne Manstrup, Leiter der Naturabteilung auf Samsø

Eine kleine Krötenkunde
In Dänemark gibt es drei Arten von Kröten. Die am meisten verbreitete, die Erdkröte, kommt wahrscheinlich nicht auf Samsø vor. Sie wurde sehr wenige Male registriert, und falls sie immer noch auf der Insel vorkommt, ist sie sehr selten. Die Kreuzkröte laicht in einigen wenigen Wasserstellen in Küstennähe. Samsøs gewöhnlichste Kröte ist die grüngefleckte Wechselkröte, die wegen ihres Aussehens auch Grüne Kröte oder Buntkröte genannt wird.

Die Wechselkröte kommt fast überall auf der Insel vor, wo es geeignete Wasserstellen und Dorfteiche gibt. Diese Art braucht warme Sommer, da die Kaulquappen lange benötigen, um sich in fertige, kleine Kröten zu verwandeln. In Dänemark kommt die Art nicht in Jütland vor, und Samsø bildet die nordwestliche Ecke ihres Verbreitungsgebiets.

Die Wechselkröte lässt sich am Geräusch und dem schönen Muster aus Grün- und Grautönen erkennen. Die Kreuzkröte ist einfarbiger und ist am gelben Streifen am Rücken zu erkennen, der vom Kopf bis zum Schwanz verläuft. Die Kreuzung der Arten kommt vor; diese Exemplare sind aber steril und sehr selten.

Bedrohte Tierarten
Innerhalb der letzten 100 Jahre haben Entwässerungsmaßnahmen und das Zuschütten von Wasserstellen und Mooren dazu geführt, dass die Landschaft immer trockener geworden ist. Das hat die Kröten bedroht, die ja auf den Zugang zum Wasser angewiesen sind. Der Schutz der Arten und ihrer Lebensräume hat einen gewissen Effekt, aber es muss mehr geschehen. Eine ideale Wasserstelle zum Laichen muss Bereiche mit seichtem Wasser haben, in denen die Sonne die Wassertemperatur erhöhen kann. Es dürfen keine großen, Schatten werfenden Bäume, keine Fische, Enten und Krebse, keine Entwässerung der Wasserstelle und natürlich keine Verschmutzung vorhanden sein. Grasende Tiere dürfen im Spätsommer gerne Zugang haben, und die Wasserstelle kann ruhig alle 5-10 Jahre austrocknen.

Aber tut es zum Glück auch, und einige der Dorfteiche sind traditionell als gute Laichplätze bekannt – vor allem damals, als die Dorfteiche auch als Löschteiche genutzt und deshalb gepflegt wurden. Heute erfolgt diese Pflege nur sehr begrenzt, und die Dorfteiche sind oft dicht mit Schilf bewachsen. In der offenen Landschaft geschieht dementsprechend ähnliches in den Wasserstellen. Auf Samsø sind ca. 400 Wasserstellen verzeichnet. Das klingt nach viel, aber es gibt nur wenige gute Laichstellen für die Kröten.

Erfolgreicher Rettunsgeinsatz
In den 1980ern sah es schlecht aus. 1984 war die Wechselkröte beim Laichen wahrscheinlich an nur einer Wasserstelle auf Samsø erfolgreich, und die Art war auf der Insel reell vom Aussterben bedroht. Man versuchte sich 1986-87 an der Reinigung des Nordbyer Dorfteichs und 1987-88 an weiteren drei Dorfteichen. Der positive Effekt war jedoch leider nur kurzfristig; das Füttern von Enten und das Aussetzen von Fischen haben sich negativ auf die Kröten ausgewirkt.

1989 erhielt man unerwartet Hilfe vom Staat, da die dänische Behörde für Wald und Natur eine Finanzspritze aus den Naturverwaltungsmitteln angeboten hatte. Der Betrag sollte noch im selben Jahr verwendet werden. Im damaligen Århus Amt entschied man sich dazu, dass ein Teilbetrag ausgegeben werden sollte, um auf Samsø neue Lebensräume für die seltene Kröte einzurichten.

Das Projekt wurde mit einer Anzeige im Wochenblatt „Samsø Posten“ eingeleitet, wobei den Grundeigentümern eine kostenlose Wasserstelle auf deren Grundbesitz angeboten wurde. Das Interesse war überwältigend, nach kurzer Zeit wurden Vereinbarungen mit Bauunternehmern getroffen, und die Arbeit konnte beginnen. Binnen weniger Jahre wurden überall auf der Insel ca. 40 neue Wasserstellen ausgehoben, und auch danach wurden mit und ohne Subventionen neue Wasserstellen eingerichtet. Der Effekt auf die Ausbreitung und Anzahl der Wechselkröten war enorm. „Es war schon fast zu viel des Guten”, wie einige es formulierten und von Kröten im Trinknapf ihres Hundes oder von Kröten auf den Kopfkissen der Kinder berichteten. Andere erzählten, wie ihre Gewächshäuser jede Menge Kröten anzogen, und dass die Kröten jetzt unter ihren Terrassen überwinterten.

Massive Überwachung
Vor und nach dem Einrichten der vielen neuen Wasserstellen wurde die Verbreitung der Kröten genau verfolgt. Die Überwachung erfolgt idealerweise von April bis Mai, denn in diesem Zeitraum ist das charakteristische Flötengeräusch der Männchen auf 1 km Entfernung hörbar. Deshalb sind die Kröten, die in einem bestimmten Gebiet eine Wasserstelle gefunden haben, relativ leicht zu registrieren. Ein Laicherfolg lässt sich jedoch erst feststellen, wenn man im Spätsommer die vielen kleinen, frisch verwandelten Kröten beim Verlassen der Wasserstellen beobachten kann.

Man hat festgestellt, dass die Kröten sehr gerne an neuen Wasserstellen laichen. Man kann sagen, dass die Kröten Pioniere sind, die häufig zu den ersten Tierarten zählen, die sich niederlassen. Und es scheint, dass die Kröten im Laufe der Jahre das Interesse an einer Wasserstelle verlieren. Es mag daran liegen, dass Feinde einwandern oder die Stelle zuwächst.

Paarung und Laichen
Die männlichen Kröten kommen oft zahlreich zu den Wasserstellen, und ihr Konzert ist in der Regel zwischen 22 und 2 Uhr um Mitternacht am intensivsten. Die Weibchen folgen den Geräuschen, und wenn ein Weibchen an der Wasserstelle ankommt, dauert es nicht lange, bis sich ein Männchen auf den Rücken des Weibchens setzt und sie mit den Vorderbeinen gut festhält. In der nächtlichen Dunkelheit kann es passieren, dass sich ein Männchen irrt und zu einem anderen Männchen greift. Dann sorgt ein durchdringender Abwehrlaut dafür, dass das Männchen von ihm ablässt. Die Eier werden in zwei langen Eiersträngen abgelegt, die das Männchen befruchtet. Ein Weibchen kann 8-10.000 Eier legen. Wenn dies geschehen ist, verlässt das Weibchen die Wasserstelle und kommt erst im nächsten Frühling wieder. Die Männchen bleiben so lange an der Wasserstelle, wie neue Weibchen kommen.

Die Arbeit geht weiter
Es besteht ein großes Interesse daran, Samsøs charakteristische und schöne Kröten zu bewahren. Deshalb liegt der Fokus weiterhin darauf, gute Laichgebiete zu bewahren. Die Gemeinde Samsø hat 2021 einen Betrag zur Pflege von Wasserstellen eingeplant. So sollen die Kröten und die vielen anderen Tierarten bewahrt werden, die von den Wasserstellen als kleine Oasen in einer bewirtschafteten Landschaft abhängig sind. Auf Krötenexpedition

Am erfolgreichsten sind die Nachtausflüge in den Frühlingsmonaten. Früher hieß es, dass die Kröten am Nordbyer Dorfteich am 17. April zu quaken beginnen, und in einigen Jahren stimmte das Datum genau. Ansonsten beginnen sie ab Mitte April. An einigen Tagen hat man das Glück, die Kröten am Tag zu hören. Ein guter Ort ist die Wasserstelle gegenüber der Samsøer Naturschule bei Langør. Hier kann man oft die Pfeiflaute der Wechselkröten und die langen, schnarrenden Laute der Kreuzkröten hören. Wenn die Kröten an Land leben, ist es schwieriger, sie zu finden. Mit etwas Glück kann man sie an warmen Stellen an Steinhaufen, Hausfundamenten und – wie bereits erwähnt – in Gewächshäusern antreffen.

Die Kröten

  • Die Kröten gehören zusammen mit Fröschen und Salamandern der Tiergruppe an, die wir Amphibien nennen. Das Wort bedeutet „doppellebig” und deutet darauf hin, dass die Tiere im Wasser und an Land leben.
  • Über dänische Amphibien kann man generell sagen, dass sie im Wasser laichen, verbringen aber den Großteil ihres Lebens an Land. Die Eier der Amphibien haben keine schützende Schale. Wenn die Tiere schlüpfen, bleiben die Jungen einige Monate lang im Wasser, wo sie mithilfe von Kiemen atmen und eine große Verwandlung durchlaufen, bevor sie im Sommer als kleine, neue Individuen an Land gehen.
  • Vor 300 Millionen Jahren waren die Amphibien die größten Landtiere der Welt und konnten 4-5 Meter groß werden.

Zuletzt geändert: 20/05/2024 02:05